FSD_Jubi_2026

Die folgenschweren 1990er-Jahre Die 1990er-Jahre brachten tiefgreifende Umwälzungen. Nach dem Ende des Bierkartells geriet der Markt in Bewegung und die gesamte Branche in Turbulenzen; zahlreiche Fusionen folgten. Feldschlösschen verpasste in dieser Zeit entscheidende Vereinfachungen in Organisations- und Kapitalstruktur – mit schwerwiegenden Folgen, wie sich zeigen sollte. Die bedeutendste Fusion erfolgte dann 1996, als 120 Jahre nach der Gründung von Feldschlösschen der Zusammenschluss mit der Brauerei Hürlimann zur Feldschlösschen-Hürlimann Holding bekannt gegeben wurde. Weil beide Unternehmen über umfangreiche Immobilienportfolios verfügten, forderten Grossaktionäre bereits kurz darauf eine Aufspaltung in einen Getränke- und einen Immobilienbereich. In dieser Situation gelang es Feldschlösschen, einen neuen Eigentümer zu finden, der die Kernkompetenz des Bierbrauens wieder ins Zentrum stellte. Mit Carlsberg konnte das neue Jahrzehnt ab 2000 wieder zielgerichteter angegangen werden. Der Partner mit gleichen Werten Schon bei seiner Gründung hatte Feldschlösschen den Blick weiter als viele andere Betriebe gerichtet und sein Bier für die ganze Schweiz gebraut. Dieser früh ausgeprägte Weitblick prägte das Unternehmen über Generationen hinweg. Als die Welt enger zusammenrückte, eröffnete sich mit Carlsberg als internationalem Partner dann ein neuer Horizont – die natürliche Fortsetzung eines früh begonnenen Weges und eine Chance, die Getränkekompetenz und das Wissen rund um das Getränkehandwerk weiter auszubauen. Feldschlösschen blieb unter Schweizer Management, und durch die Zusammenarbeit mit der Carlsberg- Gruppe kam frischer Wind in die Unternehmung. Der Geist, der den Brauer Theophil Roniger und das Landwirtepaar Mathias und Marie Wüthrich vor 150 Jahren angetrieben hatte, kehrte zurück. Carlsberg, gegründet vom Wissenschaftspionier J. C. Jacobsen, hält die gleichen Werte hoch wie Feldschlösschen: Qualität, Verantwortung und Respekt vor dem Handwerk des Bierbrauens. Jacobsen selbst schrieb Wirtschaftsgeschichte: 1876 – im Jahr der Feldschlösschen-Gründung – rief er die Carlsberg Stiftung ins Leben. Die weltweit erste UnternehmensStiftung ist bis heute Mehrheitsaktionärin von Carlsberg. Sie hat sich der Naturwissenschaft, der Kunst und dem Gemeinwohl verpflichtet. Links: Fassproduktion in der Picherei. Rechts: 1975 führte Feldschlösschen als erste Schweizer Brauerei den weissen Kunststoff- verschluss ein. DAS BEWUSSTSEIN FÜR VERANTWORTUNG Schon Ende der 1980er-Jahre begann Feldschlösschen, fossile Energie schrittweise zu ersetzen. Es entstanden Biogasanlagen, Wärmerückgewinnungssysteme und ein konsequentes Recycling der Produktionsabfälle. Da die benötigten Rohstoffe Wasser, Getreide und Hopfen direkt aus der Natur stammen, war schon früh ein Bewusstsein für Biodiversität vorhanden. Heute deckt Feldschlösschen 75 Prozent seines Wärmebedarfs aus eigenen erneuerbaren Quellen – unter anderem durch die Verwertung des Alkohols, der für die Herstellung des alkoholfreien Biers entzogen wird. Abwärme aus der Produktion wird in den städtischen Wärmeverbund eingespeist, und 2025 investierte das Unternehmen in eine holzbefeuerte Dampfkessel- anlage – ein weiterer Schritt hin zu einer klimaneutralen Produktion. Auf firmeneigenem Land wurden Naturschutzgebiete geschaffen. 62

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