Klöntalersee Eis zu gewinnen. Es war eine logistische Meisterleistung und ein Symbol unbeirrbaren Willens. Die Entschlossenheit zahlte sich aus: Ab 1889 war Feldschlösschen die führende Brauerei des Landes und machte die Aargauer Gemeinde Rheinfelden zur Bierhauptstadt der Schweiz – bis heute. Die Kathedrale des Bieres Am 1. Oktober 1890 entstand aus der «Kollektivgesellschaft Wüthrich & Roniger Brauerei zum Feldschlösschen» die «Aktiengesellschaft Brauerei zum Feldschlösschen». 14 Jahre nach dem ersten Sud war die Brauerei bereits tief im Volk verankert und die Feldschlösschen-Aktie eine kluge Anlage. Theophil Roniger führte als Direktor ein Unternehmen, das seinen Angestellten faire Löhne zahlte und in kurzer Zeit zu einem bedeutenden Pfeiler der regionalen Wirtschaft wurde. Der Anspruch, Qualität auch architektonisch sichtbar zu machen, erreichte 1909 seinen Höhepunkt: Mit dem neuen Sudhaus – das die «NZZ» später als «Kathedrale des Bieres» bezeichnete – verband man technische Präzision mit architektonischer Schönheit. Noch heute wird jedes Feldschlösschen-Bier in diesem ehrwürdigen Gebäude gebraut. Die Stabilität in stürmischen Jahren Nach dem Ableben der Gründer übernahmen ihre Nachkommen die Leitung des Unternehmens. Adolf Roniger-Hürlimann leitete Feldschlösschen 48 Jahre lang, von 1913 bis 1961, und führte die Brauerei durch schwierige Kriegsjahre und wirtschaftliche Umbrüche. 1935 wurde das Schweizer Bierkartell gegründet. Kartelle galten damals in vielen Branchen als notwendiger Schutz der Industrie, ermöglicht durch die Handels- und Gewerbefreiheit der Bundesverfassung von 1874. Das Bierkartell sollte das Überleben der nur noch 56 Brauereien sichern. Die jahrzehntelange Einbindung in dieses Kartell und die dadurch geprägte Marktstruktur hinterliessen jedoch bei vielen Brauereien Folgen, die sich später als problematisch erwiesen. Auf die Ära von Adolf Roniger folgten Dr. Max Wüthrich als Direktor und Hans Wüthrich als Vizedirektor. Sie patentierten zahlreiche Transportinnovationen und wagten in den 1960er- und 1970er-Jahren den Schritt in den Markt der alkoholfreien Getränke. Mit Mineralwasser und Softdrinks stellten sie das Unternehmen breiter auf und gaben ihm neue Impulse. Mit dem Einzug der Kühlschränke in Privathaushalte in der Schweiz begann in den 1960er-Jahren der Bierverkauf auch im Detailhandel. Ab Mitte der 1970er-Jahre zeigte der Biermarkt dann aber erste Stagnationstendenzen. Damals schlossen sich mehrere Brauereien Feldschlösschen an. Die beiden Feldschlösschen- Gründer Theophil Roniger (links) und Mathias Wüthrich sowie Marie Wüthrich-Jenny, die stille Kraft im Hintergrund. Eisgewinnung auf dem gefrorenen Klöntalersee im Winter 1877/78. 61
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