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Oben: Aufnahme des Schlosses von 1920. Unten: Das neue Sudhaus von 1909 wurde als «Kathedrale des Bieres» bezeichnet. Die Vision zweier Pioniere Im Jahr 1876 legten Theophil Roniger, der visionäre Brauer aus Magden, und Mathias Wüthrich, der bodenständige Landwirt aus Olsberg, den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte. Gemeinsam gründeten sie die Brauerei Feldschlösschen – nicht als Dorfbrauerei, sondern mit dem Ziel, ein Qualitätsbier von nationaler Bedeutung zu schaffen. Am 8. Februar 1876 wurde in der «Kollektivgesellschaft Wüthrich & Roniger Brauerei zum Feldschlösschen» zum ersten Mal Bier gebraut. Der Standort war strategisch gewählt: Rheinfelden war ab 1875 an die neue Eisenbahnlinie zwischen Basel und Zürich angeschlossen. Während Brauereien damals ihre Kundschaft nur im Radius einer Tagestour mit dem Pferdefuhrwerk erreichen konnten, zielten Roniger und Wüthrich bereits auf eine nationale Verteilung ihrer Produkte. Die Eisenbahn machte es möglich, das Bier in alle Landesteile zu bringen – ein früher Beweis unternehmerischen Weitblicks. Auch der Name ist Teil der Vision der Gründer. Das «Feldschlösschen» ist nicht bloss ein Markenname. Nein, die ganze Brauerei sollte zu einem Schloss und das Schloss zum Symbol für Qualität, Stolz und Beständigkeit werden. Die Architektur wurde zur Botschaft: Ein hochwertiges Bier verdient ein ehrwürdiges Zuhause. Bis heute gehört das Feldschlösschen-Schloss zu den bekanntesten Gebäuden der Schweiz. Der unbändige Wille zum Erfolg Während Roniger für die Qualität des Bieres und die Kundschaft verantwortlich war und Wüthrich den Vertrieb und den Gutsbetrieb führte, wirkte im Hintergrund eine dritte Kraft, ohne die der Alltag der jungen Brauerei kaum zu bewältigen gewesen wäre: Marie Wüthrich-Jenny, die Frau von Mitgründer Mathias Wüthrich. Mit bemerkenswerter Energie sorgte sie für die Verpflegung der Belegschaft, führte die Brauereiwirtschaft in ihrem eigenen Haus, bot Unterkunft für die Brauburschen und erledigte nebst der Erziehung ihrer sechs Kinder die Betriebsbuchhaltung. Marie war ein Symbol für Resilienz und Unternehmergeist. Sie zeigte eine beeindruckende Gesellschaftsverantwortung, die für Feldschlösschen prägend wurde. Der harte Weg zum Erfolg Nur ein Jahr nach der Gründung stand Feldschlösschen vor existenziellen Herausforderungen. Der ungewöhnlich milde Winter 1877/78 verhinderte, dass in der Region die Weiher zufroren – doch die Eisgewinnung war für die Kühlung und die gleichbleibende Qualität des Bieres entscheidend. In einer aufwendigen Aktion wurden Pferde, Wagen und Arbeiter von Rheinfelden ins Glarnerland disloziert, um auf dem gefrorenen Die erste Etikette von Feldschlösschen im Jahr 1876. 60

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