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chen-Erfolgsgeschichte aber von menschlicher Hand. Hans-Albert Wüthrich erinnert sich: «Mein Vater war Braumeister im Schloss. Als ich ihn während meiner Schulferien auf seinem allmorgendlichen Betriebsrundgang begleitete, hat er jeden Mitarbeitenden beim Namen gegrüsst und persönliche Gespräche geführt. Dabei bezog sich die erste Frage immer auf die Familie. Erst dann kam das Geschäftliche.» Diese stark beziehungsorientierte Führung hat Hans-Albert Wüthrich beeindruckt. So stark, dass er sich später als Wirtschaftsprofessor eingehend mit den weichen Faktoren der Unternehmensführung beschäftigt hat. Tatsächlich steckt das Fürsorgliche tief in der DNA von Feldschlösschen. Die Gründerväter wussten, dass sie ihre Ziele nur erreichen konnten, wenn sich die Mitarbeitenden mit der Firma identifizieren. So bezahlten sie trotz der grossen Investitionen von Beginn weg hohe Löhne und übernahmen Unfallversicherungsbeiträge und Steuern. Etwas später wurden in der Kantine dann sogar Ruheräume eingerichtet – eine Errungenschaft, die ihrer Zeit weit voraus war. Die Frau im Hintergrund Eine zentrale Rolle nahm dabei Mathias Wüthrichs Ehefrau Marie ein, die Urgrossmutter von Hans-­ Albert Wüthrich. Neben ihrer Rolle als Mutter, in der sie sechs Kinder aufzog, brachte sie sich mit Leib und Seele ins Unternehmen ein: Sie machte die Buchhaltung, leitete das Restaurant und kochte und wusch für die Brauer, die damals noch auf dem Areal lebten. Dazu half sie ihrem Mann auf dem Feld. «Manchmal, wenn das Geld knapp wurde, fuhr sie zu ihrem Schwiegervater, um ihn zu überreden, noch ein wenig mehr ins Unternehmen zu investieren», erzählt Hans-Albert Wüthrich und fügt an: «Meine Urgrossmutter hat das Unternehmen also mit grösster Tatkraft und moralisch mitgetragen. Ich bin überzeugt, dass es Feldschlösschen ohne sie heute in dieser Form nicht gäbe.» Auch wenn die Firma mit den Jahren immer mehr wuchs und das soziale Gefüge sich veränderte – die verantwortungsbewusste Kultur ist geblieben. Gegenüber den Mitarbeitenden ebenso wie gegenüber der Gesellschaft. Sinnbildlich dafür steht die inzwischen 51-jährige Stiftung MBF, die Hans-­ Albert Wüthrich präsidiert. Die Sozialinstitution im aargauischen Stein unterstützt Menschen mit Unterstützungsbedarf unter anderem mit Wohn-, Arbeits- und Bildungsangeboten. «Feldschlösschen hat die Stiftung MBF von Beginn weg unterstützt», sagt Hans-Albert Wüthrich. «In jüngster Zeit haben immer mehr Unternehmen einfache Arbeiten, die für unsere Klientinnen und Klienten wichtig wären, ins Ausland verlegt. Nicht so Feldschlösschen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.» Den Grundstein für die sozial nachhaltige Unternehmensführung hat einst Marie Wüthrich gelegt. Marie Wüthrich-Jenny, die Ehefrau des Gründervaters Mathias Wüthrich, hatte entscheidenden Anteil an der Erfolgsgeschichte von Feldschlösschen. Als Urenkel von Mathias und Marie Wüthrich ist Hans-Albert Wüthrich im Betrieb aufgewachsen. Die Führungskultur hat ihn tief beeindruckt. 48

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